Obsolete Pakete anzeigen

Softwarepakete und insbesondere deren Verfügbarkeit unterliegen einem stetigen Wandel. Im Alltag kommt es ab und zu vor, dass ein Paket, welches Sie auf ihrem System installiert haben, nicht mehr von einem Paketmirror in aktualisierter Form beziehen können. Die Ursachen dafür können sehr vielfältig sein [Hertzog-Obsolete-Packages]:

  • Das Paket wurde umbenannt und ist inzwischen unter einem anderen Namen verfügbar. Der Maintainer des Pakets hat die Übergangspakete (siehe ``transitional packages'' in [uebergangs-und-metapakete]) für die aktuelle Veröffentlichung unter dem bisherigen Namen belassen. Später wurden die Übergangspakete entfernt.

  • Die letzte verfügbare Version der Software könnte unter einem anderen Namen paketiert worden sein. Entweder waren die Menge der Änderungen so wichtig, dass eine automatische Aktualisierung auf die letzte verfügbare Version nicht bevorzugt wurde, oder einfach weil der Maintainer Ihnen als Benutzer die Möglichkeit geben möchte, mehrere Versionen parallel zu installieren. Ersteres betrifft beispielsweise 'request-tracker' und 'nagios', letzteres den Linuxkernel, den Python-Interpreter und viele Bibliotheken.

  • Der Entwickler (``upstream author'') hat bereits vor längerer Zeit aufgehört, die Software weiter zu warten und niemand anderes hat die Aufgabe von ihm übernommen. Daraufhin hat sich der zuständige Maintainer entschlossen, das Paket aus Debian wieder zu entfernen. Üblicherweise existieren in diesem Fall adäquate Alternativen im Paketbestand.

  • Das Paket war seit längerer Zeit in Debian verwaist, niemand hat sich des Pakets angenommen und zusätzlich gab es nur wenige Nutzer. Das Debian-Team zur Qualitätssicherung könnte um dessen Entfernung gebeten haben.

  • Das Paket ist ein Kernel-Modul und wurde mit dem Werkzeug module-assistant [Debian-Paket-module-assistant] gebaut und installiert[1]

  • Das Paket wurde mit dpkg -i installiert und war nie über eine APT-Paketquelle verfügbar.

Diese Pakete werden als 'obsolete Pakete' bezeichnet und profitieren nicht oder nicht mehr von den regelmäßigen Sicherheitsaktualisierungen. Je länger diese Pakete auf Ihrem System erhalten bleiben, um wahrscheinlicher wird es, dass sich aufgrund der Abhängigkeiten zu anderen Paketen die Aktualisierung ihres gesamten Softwarebestands verzögert und vor allem schwieriger gestaltet. Die Probleme bei der Auflösung von Paketabhängigkeiten nehmen zu.

Recherche auf der Kommandozeile

Mit Hilfe von aptitude, dessen Suchfunktion und dem speziellen Muster ~o (Langform ?obsolete) spüren Sie diese obsoleten Pakete auf. Trotz des Namens des Suchmusters werden diese Pakete in der Text-Modus-Bedienoberfläche von aptitude unter dem Eintrag 'Veraltete und selbst erstellte Pakete' (engl.: ``Obsolete and Locally Created Packages'') aufgelistet. Dies wird insbesondere dem letzten o.g. Punkt gerecht.

Die nachfolgende Ausgabe umfasst den Paketstatus, den Paketnamen und die entsprechende Kurzbeschreibung zum Paket. Sie sehen dabei auch, dass hierbei für das Paket 'pdfstudio' keine Kurzbeschreibung vorliegt und dieses damit nicht die üblichen Qualitätsstandards von Debian erfüllt.

Suche nach obsoleten Paketen mittels aptitude
$ aptitude search ~o
i   cupswrapperhl2250dn - Brother HL2250DN CUPS wrapper driver
i   foxitreader         - FoxitReader is a browsing program designed for read
i   gtkdiskfree         - A program to show free/used space on filesystems
i   hl2250dnlpr         - Brother HL-2250DN LPR driver
i   language-env        - simple configuration tool for native language envir
i A libdvdcss2          - Simple foundation for reading DVDs - runtime librar
i A libqt3-mt           - Qt GUI Library (Threaded runtime version), Version
i   odeskteam           - oDesk Team - complete time-logging and verification
i   opera               - Fast and secure web browser and Internet suite
i   pdfedit             - Editor for manipulating PDF documents
i   pdfstudio           -
i   skype               - Wherever you are, wherever they are
i   tpp                 - text presentation program
i   youtube-dl          - downloader of videos from YouTube and other sites
$

Recherche in graphischen Programmen

Bei diesen kann u.E. lediglich Synaptic (siehe [gui-synaptic]) die obsoleten Pakete anzeigen. Bei den anderen Programmen fehlt bislang diese Möglichkeit.

Dazu wählen Sie zunächst aus der linken Spalte den Knopf menu:Status[] aus. Aus der darüberliegenden Liste selektieren Sie danach den Eintrag menu:installiert (lokal oder veraltet)[]. Als Ergebnis erhalten Sie eine Paketliste, welche nur noch die obsoleten Pakete enthält. In Ansicht der obsoleten Pakete in Synaptic wurden daraus beispielhaft 'foxitreader' und 'libdvdcss2' markiert.

synaptic obsolete pakete.png
Figure 1. Ansicht der obsoleten Pakete in Synaptic

Umgang mit diesen Paketen

Ein obsoletes Paket wird aus Sicht der Paketverwaltung wie alle anderen Pakete behandelt und bleibt auf Ihrem Linuxsystem unverändert erhalten, solange dessen Abhängigkeiten nicht verletzt werden. Problematisch ist jedoch die Aktualisierung, da kein Nachfolgepaket existiert. In diesem Fall bestehen nur zwei Möglichkeiten – das Beibehalten der aktuell installierten Version oder der Wechsel auf eine andere, ähnliche Software. Ersteres ist insofern bedenklich, da es die Aktualisierung anderer Pakete über die definierten Paketabhängigketen verhindert. Dieser Schritt ist genauso abzuwägen wie der Wechsel zu einer anderen Software, welche vielleicht nicht in allen Punkten ihren Erwartungen und Bedürfnissen entspricht.


1. module-assistant war lange Zeit die Methode, um Kernel-Module für den aktuell laufenden Kernel zu kompilieren und installieren, die lediglich als Quellcode verfügbar waren. Mittlerweile wurde es größtenteils durch dkms (für 'Dynamic Kernel Modules Support', dt.: Dynamische Kernel-Modul-Unterstützung) ersetzt, mit welchem es nicht notwendig ist, lokal deb-Pakete generieren und installieren zu lassen.

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