Fremdformate mit alien hinzufügen

Einführung

Den Begriff 'alien' übersetzen Sie am ehesten mit 'fremd', 'Fremdling' oder 'Ausländer'. So heißt auch das gleichnamige Debianpaket [Debian-Paket-alien], welches Ihnen hilft, eine Software, welche nicht als deb-Paket vorliegt, entsprechend umzuwandeln und für Ihre Debian-Installation vorzubereiten.

Wie bereits in ``Gestaltwandler. Programmpakete richtig konvertieren'' [Hofmann-Osterried-Alien-LinuxUser] beschrieben, sollten bei der Umwandlung des Pakets nach Möglichkeit die folgenden Bestandteile erhalten bleiben:

  • die Paketbeschreibungen. Damit erkennen Sie später über die Paketverwaltung, um was für eine Software es sich handelt, wer der Autor ist oder wo sich die dazugehörige Homepage des Projekts befindet.

  • die Informationsdateien. Diese beschreiben, wie Sie das Paket wieder entfernen oder aktualisieren. Häufig befinden sich auch Hinweise dabei, die benennen, was dabei gegebenenfalls zu beachten ist.

  • die Informationen über Abhängigkeiten zu anderer Software.

  • die Angabe der Prozessorarchitektur im Dateinamen, wie etwa 'amd64' bei deb-Paketen und 'x86_64' bei rpm-Archiven.

Bei der Umwandlung des Paketformats bestehen mehrere Fallstricke. Diese führen regelmäßig dazu, dass die gewünschte Software nicht wie erhofft funktioniert:

  • die referenzierten Bibliotheken passen gar nicht, nicht mehr (sind bspw. veraltet) oder sind nicht auffindbar (sind bspw. nicht installiert oder haben einen anderen Paketnamen)

  • die angegebenen Pfade im Originalpaket stimmen nicht mit Ihrer lokalen Verzeichnisstruktur überein

  • der Binärcode passt nicht zu Ihrer genutzten Plattform und Architektur

  • das Format der Konfiguration sorgt für Ärger, bspw. die verfügbaren Optionen und Schalter

  • es bestehen Konflikte mit anderer, bereits installierter Software

Verwenden Sie daher möglichst die Version der Software, die auch zu Ihrer Distribution und Architektur passt. Diese lässt sich i.d.R. am einfachsten in Ihren Softwarebestand integrieren. Weitere Informationen dazu finden auf der Projektwebseite von alien [alien].

Pakete umwandeln

Voraussetzungen

Damit Ihnen das Umwandeln von bestehenden Paketen in das deb-Format gelingt, müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein. Für alien benötigen Sie:

Die beiden Pakete perl und dpkg gehören zu den essentiellen Paketen und sind auf ihrer Debian-Installation vorhanden. Die anderen genannten Pakete könnten noch fehlen. Falls letzteres zutrifft, installieren Sie diese über die Paketverwaltung nach (siehe ``Pakete installieren'' in [pakete-installieren]).

Durchführung

  • Umwandlung eines rpm in ein deb mittels expliziter Angabe des Paketformats über den Schalter -d (Langform --to-deb)

alien --to-deb paket.rpm
  • --to-deb ist der Standardfall, d.h. kann man im Aufruf weglassen

  • Alternative Formate:

    • rpm: -r (Langform --to-rpm)

    • tgz: -t (Langform --to-tgz)

    • slp: --to-slp (keine Kurzform)

    • pkg: (Open)Solaris-Pakete mittels -p (Langform --to-pkg)

Am Ende überprüfen Sie das Paket, um sicherzugehen, ob es auch tatsächlich zu ihrer bestehenden Installation passt.

  • wie macht man diese Überprüfung?

Besonderheiten bei der Umwandlung

deb-basierte Systeme haben ihre Eigenheiten. Die folgenden Schalter von alien helfen Ihnen bei der Paketumwandlung:

  • --patch=Datei, --anypatch und --nopatch zum automatischen Anpassen von Startup-Skripten und Pfaden gemäß dem File Hierarchy Standard (FHS)

  • -c (Langform --scripts) um bestehende Pre- und Post-Install- sowie Remove-Skripte zu erhalten

  • -k (Langform --keep-version), um die Versionsnummer beizubehalten — normalerweise zählt alien diese um eins hoch

  • -g (Langform --generate) und --veryverbose um die Fehlersuche zu erweitern

  • -g (Langform --generate), um das Paket vor der Umwandlung zu bearbeiten

    • erzeugt ein Verzeichnis mit dem Paketinhalt

    • ermöglich Ihnen die Ergänzung und Korrektur des Paketinhalts

Pakete umwandeln und einspielen

  • Paket von rpm nach deb umwandeln und gleich einspielen (Kurzform)

alien -i paket.rpm

Umgewandelte Pakete einspielen

Haben Sie das Paket erfolgreich in das deb-Format umgewandelt, spielen Sie dieses mittels dpkg -i 'paketname.deb' ein. APT und aptitude bekommen von der Aktion erstmal nichts mit, stören sich aber nicht daran, dass das Paket eingespielt ist.

Dabei können mehrere Ergebnisse eintreten — alles geht glatt und das Paket funktioniert, alles geht glatt und das Paket funktioniert nicht, oder das Einspielen geht schief. Da bleibt nur manuelle Nacharbeitung:

  • was ist da zu tun?

  • woran kann das hängen? (Ursachenforschung)

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