Gegenüberstellung der verschiedenen Lösungsansätze

Der erste Lösungsansatz — das lokale Kompilieren und Installieren — geht am Paketsystem vorbei und Sie verlieren damit sämtliche Vorteile der Paketverwaltung. Handelt es sich um ein Programm, von dem andere Pakete abhängen, kommt noch das Problem hinzu, dass diese Abhängigkeiten dann im Paketsystem nicht mehr erfüllt sein müssen. Wir gehen daher auf diese Option nicht näher ein, auch wenn es sicher Fälle gibt, in denen dies nicht die schlechteste Variante ist.

Das Nutzen von Debians 'testing'- oder 'unstable'-Zweigen anstatt 'stable' bedingt, dass nicht nur die benötigte Software, sondern das komplette Betriebssystem mit allen Anwendungen in einer neueren Version verwendet wird. Dabei nehmen Sie das Risiko in Kauf, dass die Pakete noch nicht die Stabilitätskriterien von Debian erfüllen und daher durchaus Fehler, bei 'unstable' sogar Inkonsistenzen und Uninstallierbarkeit einzelner Pakete auftreten können. Dazu kommt, dass sich Pakete aus 'testing' und 'unstable' im dauernden Fluß befinden und sich daher relativ oft bezüglich der Konfigurationsformate oder ihrer unterstützten Funktionen ändern — wie bei einem sogenannten 'Rolling Release'.

Manchmal, aber lange nicht immer, sind die Abhängigkeiten eines Pakets aus 'testing' oder 'unstable' nicht allzu restriktiv und Sie können dieses — z.B. mit dem Aufruf dpkg -i — einfach so auch auf einem 'stable'-System installieren. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die nächste Version dieses Pakets aus Debians Entwicklungszweigen dies immer noch tut. Sie gehen damit das Risiko ein, das Paket nicht aktualisieren zu können oder es weiter benutzen zu können.

Um nicht auf die Stabilität und die Sicherheitsupdates von Debians 'stable'-Zweig zu verzichten und gleichzeitig einzelne Anwendungen in neueren Versionen nutzen zu können, ist der sauberste Weg die Rückportierung (engl. 'to backport'). Die Grundlage stellen die Versionszweige 'testing', 'unstable' und auch 'experimental' dar. Damit erreichen Sie, dass sich das ausgewählte Paket auch auf dem 'stable'-Zweig bauen und installieren lässt. Es gehört meistens eine kleine Portion Glück dazu, das Paket ohne Murren zu portieren. Solche Backports sind nicht immer trivial in der Entwicklung und können auch vergleichsweise aufwendig in der Pflege sein, z.B. wenn neuere Versionen weitere Backports benötigen, weil in der nachfolgenden Entwicklung weitere Abhängigkeiten hinzukamen oder neuere Versionen der referenzierten Abhängigkeiten benötigt werden.

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