Veröffentlichungen

Debian GNU/Linux wird in verschiedenen Veröffentlichungen angeboten, die jeweils als ``Releases'' bezeichnet werden. Eine solche Veröffentlichung kann wie folgt referenziert werden:

Bedeutung der verschiedenen Entwicklungsstände

Jedes aktuelle Debian-Paket gehört zu mindestens einem der nachfolgend beschriebenen Entwicklungsstände:

unstable

Hier findet die aktive Entwicklung von Debian statt. Neue Pakete und Versionen landen fast immer zuerst hier. Dieser Entwicklungszustand kann inkonsistent sein und beispielsweise unerfüllte Abhängigkeiten beinhalten. Er ist primär für Entwickler gedacht.

testing

Pakete, die in unstable für eine gewisse Zeit keine schwerwiegenden Fehler aufweisen und deren Abhängigkeiten bereits ebenfalls in testing erfüllt werden können, wandern automatisch von 'unstable' hierher. Dieser Entwicklungsstand sollte konsistent sein und alle Paketabhängigkeiten erfüllt sein.

stable

Das ist die jeweils aktuelle stabile Veröffentlichung. Dieser Entwicklungsstand ist für die normale Nutzung von Debian empfohlen. Eine neue stabile Veröffentlichung wird ca. alle zwei Jahre auf Basis von testing erstellt. Pakete werden nur aktualisiert, um sicherheitskritische oder sonstige schwerwiegende Fehler zu beheben. Dabei werden (mit sehr wenigen Ausnahmen) ausschließlich die entsprechenden Fehler durch Patches behoben, anstatt neuere Versionen der Programme auszuliefern.

oldstable

Das ist die jeweils vorherige stabile Veröffentlichung. Bevor eine neue stabile Veröffentlichung freigegeben wird, erfolgt eine Umbenennung der aktuellen stabilen Veröffentlichung in oldstable. Diese wird von da an im Normalfall noch für ein Jahr weiter gepflegt und mit Sicherheitsaktualisierungen versehen.

Im Frühjahr 2014 wurden zusätzlich sogenannte Long Term Support-Varianten – kurz LTS – eingeführt, die den Zeitraum der weiteren Verfügbarkeit und Pflege auf bis zu fünf Jahre verlängern. In Folge wurde die im Jahr 2011 freigegebene und 2013 durch Debian 7 Wheezy abgelöste Veröffentlichung von Debian 6 Squeeze bis 2016 mit Aktualisierungen versorgt. Seither wurde jeder weitere stabile Veröffentlichung nach ihrem offiziellen Lebensende ebenfalls als LTS mit Einschränkungen (z.B. nur noch die beliebtesten Architekturen) weitergeführt.

oldoldstable

Wenn vorhanden, ist dies die jeweils vorvorherige stabile Veröffentlichung. Zum ersten Mal trat dieser Entwicklungsstand auf, als im Frühjahr 2015 Debian 8 Jessie zur stabilen Veröffentlichung erklärt wurde. Gleichzeitig wurde Debian 6 Squeeze zur neuen Suite oldoldstable und wird per Long Term Support (LTS) weiterhin noch eingeschränkt unterstützt.

experimental

Dies ist der einzige Entwicklungsstand, der keine alleinstehende Veröffentlichung ist, sondern nur ein Zusatz-Repository. Es fungiert als Erweiterung zu unstable und beinhaltet Pakete, bei denen der Paketbetreuer davon ausgeht, dass sie noch und ggf. sogar grobe Fehler beinhalten. experimental wird genutzt, um Pakete im größeren Umfeld zu testen, bevor diese nach unstable hochgeladen werden.

Darüberhinaus existiert der Paketbereich backports. Das beinhaltet Rückportierungen neuerer oder aktualisierter Pakete aus dem Entwicklungszweig testing nach stable, teilweise auch aus unstable. Das ist spannend, aber auch mit gewissen Risiken verbunden. Im Detail gehen wir darauf unter ``Debian Backports'' in [debian-backports] ein.

Alias-Namen

Jede Veröffentlichung von Debian GNU/Linux hat einen Alias-Namen, der nach einer Figur aus Pixars Filmreihe Toy Story benannt ist. Für die bisherigen Veröffentlichungen standen die folgenden Figuren aus dem Film Pate:

  • Debian 1.0 wurde nie offiziell veröffentlicht.

  • Debian 1.1 Buzz (17. Juni 1996; benannt nach Buzz Lightyear, dem Astronauten)

  • Debian 1.2 Rex (12. Dezember 1996; benannt nach dem Plastikdinosaurier)

  • Debian 1.3 Bo (5. Juni 1997; benannt nach Bo Peep, der Schäferin)

  • Debian 2.0 Hamm (24. Juli 1998; benannt nach dem Sparschwein)

  • Debian 2.1 Slink (9. März 1999; benannt nach dem Hund Slinky Dog)

  • Debian 2.2 Potato (15. August 2000; benannt nach der Puppe Mr. Potato Head)

  • Debian 3.0 Woody (19. Juli 2002; benannt nach dem Cowboy Woody Pride, der Hauptfigur der Filme)

  • Debian 3.1 Sarge (6. Juni 2005; benannt nach dem Feldwebel der grünen Plastiksoldaten)

  • Debian 4.0 Etch (8. April 2007; benannt nach der Zeichentafel Etch-A-Sketch)

  • Debian 5.0 Lenny (Februar 2009; benannt nach dem aufziehbaren Fernglas)

  • Debian 6.0 Squeeze (Februar 2011; benannt nach den grünen dreiäugigen Aliens)

  • Debian 7 Wheezy (Mai 2013; benannt nach Wheezy the Penguin, dem Gummi-Spielzeugpinguin mit der roten Fliege)

  • Debian 8 Jessie (25. April 2015; benannt nach der jodelnden Kuhhirtinnen-Puppe Jessica Jane ``Jessie'' Pride)

  • Debian 9 Stretch (17. Juni 2017; benannt nach dem lila Kraken)

  • Debian 10 Buster (noch kein Veröffentlichungstermin zum Zeitpunkt der Drucklegung festgelegt, voraussichtlich 2019; benannt nach dem Welpen aus 'Toy Story 2')

Mehr Details zu den einzelnen Veröffentlichungen finden sich in der Debian-Historie [Debian-History]. Die Figuren aus Toy Story und insbesondere deren Charakterzüge sind ausführlich im Disney Wiki [ToyStory] dokumentiert (siehe Beschreibung der Filmserie 'Toy Story' im Disney Wiki).

toystory.png
Figure 1. Beschreibung der Filmserie 'Toy Story' im Disney Wiki

Auch bei der Bezeichnung der Aktualisierungen zur stabilen Veröffentlichung ergeben sich über die Jahre hinweg kleine Unterschiede. Anfangs erfolgte die Kennzeichnung durch Anhängen des Buchstabens r und der Nummer der Aktualisierung, z.B. 4.0r8 für die 8. Aktualisierung von Debian 4.0 Etch. Seit Debian 5.0 Lenny wird stattdessen ein Punkt verwendet, so z.B. 5.0.3 für die dritte Aktualisierung.

Seit Debian 4.0 Etch bekamen stabile Veröffentlichungen immer eine neue Nummer an erster Stelle. Seit Debian 7 Wheezy ist die Null an zweiter Stelle verschwunden. Stattdessen wird die Nummer der Aktualisierung genutzt, so z.B. 7.3 für die dritte Aktualisierung von Debian 7 Wheezy.

Zusammenhang von Alias-Namen und Entwicklungsständen

Neben den o.g. Entwicklungsständen haben alle Veröffentlichungen auch noch Alias-Namen, die eine Veröffentlichung stets unverändert beibehält. Jede neue Veröffentlichung startet nach einer stabilen Veröffentlichung als testing, wird dann bei der nächsten stabilen Veröffentlichung zu stable, bei der übernächsten zum oldstable und danach zu oldoldstable.

Ist eine Veröffentlichung — sei es als 'oldstable' oder als 'oldoldstable' — am Ende ihrer Unterstützung angelangt, wird sie in das Debian-Archiv [Debian-Archive] übertragen. Dieses Archiv beinhaltet alle nicht mehr unterstützten Veröffentlichungen.

Eine weitere Ausnahme bildet die Veröffentlichung zu unstable. Sie besitzt stets den gleichen Alias-Namen Sid. In der Filmreihe Toy Story ist das passenderweise der Name des bösen Nachbarkinds, welches immer alle Spielzeuge kaputt macht. Sid ist auch gleichzeitig ein Akronym für still in development – zu deutsch ``noch in Entwicklung'' –, was den Status der Veröffentlichung der zukünftigen Distribution sehr treffend umschreibt.

Experimental trägt – analog zu unstable – immer den Alias-Namen rc-buggy, was im Debian-Jargon eine Kurzform für contains release-critcal bugs'' darstellt. Das läßt sich sinngemäß als in dieser Form ungeeignet zur Aufnahme in eine Veröffentlichung'' übersetzen.

Pakete auf Wanderschaft von einem Entwicklungsstand in den nächsten

Sieht man von Uploads nach experimental ab, fängt das Leben einer neuen Version eines Debianpakets mit dem Hochladen nach unstable an. Das Paket wird automatisch in testing übernommen, sobald einige Bedingungen erfüllt sind:

  • Die Version des Pakets in unstable führt keine neuen veröffentlichungskritischen Fehler in testing ein.

  • Alle notwendigen Abhängigkeiten des Pakets sind in testing verfügbar oder werden gleichzeitig nach testing migriert.

  • Es darf keine Abhängigkeiten von Paketen zerstören, die bereits in testing enthalten sind und damit deren Installation verhindern.

  • Das Paket hat ein Mindestalter an Tagen erreicht. Dieses Mindestalter hängt vom Wert des Felds urgency (engl. für Dringlichkeit) im aktuellen Changelog-Eintrag ab und beträgt entweder 10, 5 oder 2 Tage. Die Dringlichkeit wird dabei vom Paketmaintainer entschieden. Bei Korrekturen von sicherheitsrelevanten Fehlern ist es durchaus üblich, dass die Dringlichkeit auf ``hoch'' gesetzt wird und damit nur 2 Tage beträgt.

  • Das Paket muss auf allen Architekturen, auf denen es gebaut wird, in der aktuellsten Version verfügbar sein.

  • Das Paket muss auf allen Architekturen bereitstehen, auf denen es vorher bereits gebaut wurde. Für Ausnahmen muss zuerst das alte Paket aus dem Archiv manuell entfernt werden.

Das Debian-Release-Team kann allerdings diese Bedingungen individuell übersteuern und kürzere oder längere Fristen für den Übergang in die testing-Veröffentlichung setzen.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt im Entwicklungszyklus einer neuen stabilen Veröffentlichung friert das Release-Team die testing-Veröffentlichung ein – auch genannt Freeze (engl. für Einfrieren). Ab diesem Moment wandern keine Pakete mehr automatisch von unstable nach testing und das Debian-Release-Team muss jeden einzelnen, weiteren Übergang eines Pakets explizit abnicken. Je länger der Freeze andauert, desto schärfer werden die Bedingungen, unter denen das Debian-Release-Team einen Übergang nach testing akzeptiert. Im Normalfall werden nur noch Paketversionen akzeptiert, die ausschließlich Fehler korrigieren und keine neuen Features einführen. Daher wird für diesen Zustand auch der Begriff Feature Freeze verwendet.

Auf diese Weise wird versucht, sämtliche veröffentlichungskritischen Fehler in der testing-Veröffentlichung zu beheben. Sobald es dort keinen dieser Fehler mehr gibt, geschehen die folgenden Dinge:

  • Die bisherige Veröffentlichung stable wird zu oldstable. Sie behält dabei ihren Alias-Namen bei.

  • Eine Kopie des aktuellen Zweigs testing wird zum neuen Zweig stable. Der Alias-Name zieht mit um.

  • testing bekommt einen neuen Alias-Namen.

  • Der Freeze wird aufgehoben und die Pakete propagieren wieder automatisch von unstable nach testing.

Organisation der Pakete im Paketpool

Wenn eine Paketversion von unstable nach testing wandert oder aus testing das neue stable wird, werden allerdings nicht wirklich Pakete kopiert. Stattdessen werden vielmehr nur die Metadaten des betreffenden Pakets von einer Paketliste in eine andere umgetragen. Das Paket selbst liegt immer noch an gleicher Stelle und nur einmal im sogenannten Paketpool.

So kann es vorkommen, dass ein Paket, welches nur selten aktualisiert wird, in allen aktuellen Veröffentlichungen in der gleichen Version vorkommt und dafür auch nur einmal auf jedem Spiegel des Debian-APT-Archivs liegt. Welches Paket dann aus den verschiedenen Entwicklungsständen bei einer Installation ausgewählt wird, erfahren Sie unter ``Aus welchem Repo kommen die Pakete'' (siehe [aus-welchem-repo-kommen-die-pakete]) genauer.

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